Eine kurze Geschichte meiner Welt in sehr kleinen Teilen.

Talent

Das ist mein Satz. Er stammt aus einem Artikel in der Zeit über irgendeinen israelischen Jazzmusiker, der mit 16 Jahren angeblich spät angefangen habe. 'Drei Jahre, und du spielst wie Keith Jarrett. Und weißt du warum? Weil Talent nicht existiert.'

Ich glaube das auch. Es gibt kein Talent. Es gibt nur den Willen sich vollständig für etwas aufzureiben. Ich finde sogar, dass es sich um einen besonders hirnverbrannten Begriff handelt. Wieviele Leute finden niemals einen Zugang zu Mathematik oder Musik oder Sprache, weil sie der Überzeugung sind, sie hätte kein Talent dafür. Das ist Quatsch. Alles was Menschen können, ist auch durch Menschen erlernbar. In diesem Zusammenhang fällt mir eine Anekdote über Artur Rubinstein ein, die ich vor einigen Jahren in einem Radiofeature gehört habe:

Bewunderter : Herr Rubinstein, ich würde alles tun, um so spielen zu können wie Sie!
Rubinstein : Auch fünf Stunden jeden Tag üben?

Klar kann nicht jeder Rubistein werden, aber klavier spielen, kann trotzdem jeder lernen.
Matthias Gerhards 22. Okt, 19:59 | 0 Kommentare - Kommentar verfassen

Der Wal

whitewhale11_kleinGewöhnlich mache ich mir nicht viel aus Klassikern. Aber manchmal werde ich eben doch schwach und greife zur gehobenen Literatur. Vielleicht möchte ich damit meine niedere Herkunft verschleiern oder ich versuche von der Tatsache abzulenken, dass ich zur Miete wohne und einen schrammeligen Kleinwagen fahre. Wie dem auch sei, derzeit lese ich gerade Moby Dick und stelle fest, dass es sich um ein ziemlich unterhaltsames Buch mit einigem Humor handelt.
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Matthias Gerhards 16. Okt, 16:10 | 0 Kommentare - Kommentar verfassen

Kürzlich habe ich nachgedacht:

Das Paradies ist die Diktatur Gottes.
Matthias Gerhards 2. Okt, 00:01 | 0 Kommentare - Kommentar verfassen

Kinder sind am schönsten

In meiner derzeitigen Wohngegend gibt es ziemlich viele alte Leute, die ganz wild auf unsere Kinder sind. Das ist auch grundsätzlich sehr schön. Aber gelegentlich klaffen Erinnerungswelt und Realität doch etwas auseinander. Das gipfelt dann meistens in dem Ausspruch: "Genießen Sie die Zeit, das geht so schnell vorbei". Aus der Rückschau mag das richtig sein. Und ich will nicht ausschließen, dass ich jenseits meines siebzigsten Geburtstages ähnlich rede. Aber derzeit wäre ich ganz froh, wenn ich die Zeit ein bisschen nach vorne drehen könnte. Natürlich liebe ich meine Kinder. Nicht, dass hier jemand glaubt, ich wollte mich beschweren. Nein, Nein! Aber was ist gegen einen selbstständiges Kind einzuwenden, dass gegen 9:00 Uhr aufsteht, bei der Hausarbeit hilft und sich um 19:00 Uhr selbst in Bett bringt?
Matthias Gerhards 14. Jul, 23:31 | 2 Kommentare - Kommentar verfassen

Der Sinn des Lebens

Es war etwas still in diesem Blog im letzten halben Jahr. Dennoch kann ich allen, die unter Schwermut, Depressionen, Selbstmordgedanken oder Ähnlichem leiden nur empfehlen, sich zwei Kinder unter drei Jahren anzuschaffen. Nein, Kinder machen den Menschen nicht stärker! Auch die Verantwortung lässt niemanden erwachsen werden, der vorher ein selbst noch ein Hosenscheißer war. Dennoch stellt sich eine entscheidende Veränderung ein: Man hat keine Zeit mehr für dumme Gedanken und ist zu müde, für alles andere.
Matthias Gerhards 13. Jul, 00:39 | 9 Kommentare - Kommentar verfassen

Die alte Schule

Ich habe meinen Glauben verloren, als ich auf die Hauptschule kam. Damals kam mir die Existenz Gottes einfach zu unglaubwürdig vor. Kürzlich war ich noch mal in der Gegend, habe mir das Gebäude angesehen und fand meine Zweifel bestätigt. Es kann keinen Gott geben, wenn er zuläßt, dass unsere Kinder in solchen Ruinen unterrichtet werden.
Matthias Gerhards 14. Dez, 21:20 | 0 Kommentare - Kommentar verfassen

Boris! Es ist vorbei.

"Entweder du meldest dich oder es ist vorbei." Jetzt wissen wir also, woran das Glück der Becker-Meyer-Wöldens zerplatzt ist. Ich habe solche Formulierungen zuletzt im Alter von vierzehn Jahren benutzt. In einer Zeit als man Beziehungen noch durch ankreutzen anbahnen konnte. Daran kann man sehr leicht erkennen, dass die Abwesendheit von Bildung auch nicht immer glücklich macht.
Matthias Gerhards 11. Dez, 21:39 | 0 Kommentare - Kommentar verfassen

Der geschraubte Turm

Ich muss gestehen, dass ich die meisten Bücher online kaufe. Das hat den Vorteil, dass man es nach 22:00 Uhr erledigen kann, wenn die Kinder schlafen. Aber der Nachteil ist, dass man nicht immer weiß, worauf man sich einläßt. Was grundsätzlich kein Problem darstellt. Eigentlich.

Im Fall des Buches von Uwe Tellkamp, hat das Wort jedoch eine geradezu erschreckende Berechtigung. Eigentlich ist das ein Bestseller und wird von der Kritik höchlichst gelobt. Aber die erste Seite ist so verschwurbelt, das ich es bisher nicht geschafft habe, das Verb zu finden, dass diesen fein geschraubten Satz zusammenhalten soll. Ich vermute, dass es nicht existiert, weil der Lektor nicht wußte, wo er es einfügen sollte. Das ist wie mit manchen Tönen im Gesang von Joe Cocker. Die hört man auch nur, wenn man seine Lippenbewegung dazu sieht. Jedenfalls habe ich es bisher nicht geschafft noch eine weitere Zeile zu lesen. Ich glaube, ich werde erwachsen und lese bald nur noch was mir gefällt.
Matthias Gerhards 8. Dez, 23:12 | 7 Kommentare - Kommentar verfassen

11/28

Was bisher nicht vorgekommen ist, liegt oft außerhalb unserer Vorstellung. Auch wenn es geradezu lächerlich einfach ist. Die Anschläge von Mumbai beweisen, wie erschreckend banal Terrorismus sein kann. Man bracht kein komplexen internationales Netzwerke, keine Schläfer (die es vermutlich ohnehin nie gegeben hat), man muss keine Piloten ausbilden, um einen Anschlag zu verüben, der ein ganzes Land erschüttert. Man benötigt nur eine Handvoll junger Menschen, die bereit sind zu sterben. Die notwendigen Waffen kann man in Ländern wie den USA fast legal beschaffen. Mögliche Ziele gibt es mehr als genug.

In einer Zeit, in der die Kriege von hochtechnologisierten Armeen gewonnen werden, führt uns der Terror vor, dass man unsere Welt mit einfachsten Mitteln aus den Angeln heben kann. Das ist erschreckend. Aber es zeigt auch, dass man Terrorismus nicht militärisch besiegen kann. Man kann ihn nur politisch, gesellschaftlich und moralisch bekämpfen. Man könnte sich beispielsweise die Frage stellen, weshalb es ihn überhaupt gibt?
Matthias Gerhards 29. Nov, 14:53 | 2 Kommentare - Kommentar verfassen

Paradox am Mittag

Der Typ, der die bequeme Herausforderung erfindet, kann vermutlich die Nobelpreise aller Disziplinen abräumen.
Matthias Gerhards 28. Jul, 12:59 | 1 Kommentar - Kommentar verfassen

Igitt Kinder

Mit einem Seitenblick auf eine alte Ausgabe des Spiegels sagte ich zu meiner Liebe: "Da hat jemand ein Buch mit 40 Gründen gegen Kinder geschrieben."
"Nur vierzig? Mir fallen gerade mindestens hundert ein." antwortete sie, weil in diesem Augenblick die Wehen begannen.

Das ist nun fünf schlaflose Nächte her. Ich möchte noch anfügen, dass die Autorin vermutlich mit allem recht hat. Ebenso wie Reinhold Messner mindestens fünftausend Gründe gegen die Besteigung eines Achttausenders runterleiern kann.
Matthias Gerhards 27. Jul, 22:54 | 2 Kommentare - Kommentar verfassen

Enemy mine

In der Schule hatte ich immer ein selbstgebackenes Pausenbrot mit Biosalat dabei. Meine Pullover waren selbstgestrickt und wenn wir Fleisch aßen, dann nur die eigenen ökologisch genährten Tiere. Mindestens die Hälfte meiner physischen Existenz verdanke ich der alternativen Landwirtschaft.

Aber wenn wir unseren Feinden begegenen, müssen wir über uns hinaus wachsen. Kürzlich habe ich mir Schneckenkorn gekauft. Hergestellt von der Firma Bayer.
Matthias Gerhards 26. Jul, 13:11 | 7 Kommentare - Kommentar verfassen

Die Kernkraft wird aus der Mottenkiste geholt

Man vergißt allzuleicht, dass die großen weltumspannenden Ideen meistens an dem gleichen Küchentisch ausgebrütet werden, an dem auch die nächste Sonntagsausflug geplant wird. Wenns gut läuft, bespricht man das Ganze noch mit seinen Frau und seinen halbwüchsigen Kindern, bevor man den Krempel auf die Welt losläßt.
So entstehen solche tollen Ideen wie der Wiedereinstieg in die Kernenergie und Anderas Sentker schreibt in der Zeit einen flammenden Artikel, in dem er eine neue deutsche Kernforschung fordert. Schließlich seien auch die Finnen, die Inder, die Chinesen und sonst noch wer gerade dabei wild zu forschen und massenweise neue Meiler in die Welt zu setzen. Angeblich sicherte das Uran ja für Jahrhunderte unsere Stromversorgung.

Aber an dem gleichen Küchentisch, an dem man sich diesen Quark ausgedacht hat, hätte man auch über ein paar andere Dinge Gedanken machen können:

Wie lange reicht das Uran eigentlich, wenn die Inder und die Chinesen und alle die Anderen nun massenweise Atommeiler in die Landschaft setzen? Vierzig, dreißig Jahre, zwanzig Jahre?

Und wie hoch wird das Risiko für einen Supergau (der bis jetzt alle 10 Jahre irgendwo aufgetreten ist), wenn sich plötzlich Hans und Franz Kernkraftwerke in ihren Vorgarten stellen?

Welche Länder werden demächst über Atombomben verfügen, die als "Abfallprodukt" der Kernforschung anfallen? Lybien, der Tschad, Madargaskar, Nepal und Belgien?

Vielleicht sollte man sich noch ne halbe Stunde länger Zeit nehmen, um das Thema mit seinen Kindern und dem Bettgenossen zu diskutieren, bevor man so was in die Welt setzt.
Matthias Gerhards 11. Jul, 07:17 | 2 Kommentare - Kommentar verfassen

Das dritte Kind

Es gelingt mir selten einen Tag wirklich als Ereignis wahrzunehmen. Das Abenteuer der Dinge, die jetzt passieren. Ich bin immer einen Schritt zu weit und bemerke nicht, dass während ich spüle oder Hecken schneide ein Abenteuer vor sich geht. Das dritte Kind will bald geboren werden und ich will versuchen die Welt mit den richtigen Augen zu sehen.
Matthias Gerhards 2. Jul, 09:59 | 0 Kommentare - Kommentar verfassen
ältere Beiträge

famose letzte worte

???
Also ich weiß nicht... Bin jetzt extra das dritte...
Damian (Gast) - 29. Dez, 12:07
So kann's gehen
Tja, so geht es unter Umständen in der Behörde....
Martin (Gast) - 8. Okt, 17:01
...kann mich nur anschließen
Habe die nette Frau samt Kinderwaagen und Gans auch...
momo (Gast) - 4. Aug, 20:30

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