Eine kurze Geschichte der Welt in sehr kleinen Teilen. In diesem Blog geht es um Literatur, Politik, Wissenschaft und Technologie, weil es der Autor noch nie anständig entscheiden konnte.

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  • Exposé
  • Die ersten Kapitel

    Erzählungen:


  • Am Geburtstag des Fürsten ...
  • The Way I Found Van Morrison
  • Am Anfang war die Leihbüch...
    Unvollendetes
  • Die sieben Dinge meines Lebens
  • Ungarisches Tagebuch

    Ich vermisse Ungarn

    Es ist absurd. Nicht einmal drei Jahre habe ich in Budapest gelebt und doch überfällt mich regelmäßig eine Mischung aus Heimweh und Fernweh, wenn ich im Radio irgendeine belanglose Meldung über Ungarn höre.

    Es ist, als hätte ich etwas verloren, als ich nach Deutschland zurückkehrte. Ein Teil meines Selbst, scheint in den Strassen und auf den Plätzen der Stadt zurückgeblieben zu sein, wie die Haut einer Schlange. Aber vermutlich würde ich das, was ich vermisse, auch dann nicht wiederfinden, wenn ich jetzt meine Zelte wieder in Budapest aufschlagen könnte.

    Vielleicht fehlt mir nicht das Land, sondern die Zeit, die ich dort verbracht habe. Meine Sehnsucht ist möglicherweise nicht anderes als die Erinnerung an eine Spanne meines Lebens, die niemals wiederkehren wird.
    Matthias Gerhards 29. Nov, 10:34 | 0 Kommentare - Kommentar verfassen

    Proustisiert (24.04.06)

    Mehr als zehn Jahre lang habe ich nicht geschrieben. Die Stimmen in meinem Inneren hatte ich zum Schweigen überredet und meine Worte ausgeblasen wie nächtliche Kerzen. Beinahe hätte ich das Kunststück zustande gebracht mich selbst zu vergessen und ein glücklicher Mensch zu werden. Aber an einem Nachmittag im Spätsommer hat eine einzige Zeile eines Gedichtes von Eva Strittmatter, das ich zufällig in der antiquarischen Buchhandlung in der Barnabás-Strasse las, die gesamte Erinnerung zurück gebracht. In diesem einen Moment, als ich in den ungarischen Zeilen ein Gedicht erkannte, war es, als kehrten alle Worte in mein Leben zurück und nahmen ihren alten Platz ein, wie verschollene Geschwister, mit deren Tod ich schon fest gerechnet hatte.
    Matthias Gerhards 25. Apr, 00:06 | 3 Kommentare - Kommentar verfassen

    Durchs wilde Ungarn (04.03.2006)

    fenster_budapestAls ich den Weg zwischen dem Flughafen und dem Stadtzentrum von Budapest zum ersten Mal zurücklegte, erschreckten mich der Schmutz und die Armseligkeit der Häuser, die sich in den Vororten zusammendrängten wie hungrige Vögel. Wie konnten die Menschen diese nackte Existenz ertragen ohne zu verzweifeln?
    Aber schon nach wenigen Wochen, schienen mir die Gebäude links und rechts der Ausfallstrasse, höchstens noch ein bisschen renovierungsbedürftig. Vielleicht hatten manche einen Anstrich nötig, aber hinter vielen Fenstern hingen gehäkelte Gardinen, die Hausfrauen putzen mit der gleichen Inbrunst wie in allen Teile der Welt und am Küchentisch saß die zwölfjährige Tochter und fluchte über die vertrackte Orthographie der Sprache. In diesem Augenblick hörte ich auf ein Besucher zu sein.
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    Matthias Gerhards 10. Apr, 20:40 | 0 Kommentare - Kommentar verfassen

    Nachmittag auf der Margareteninsel (19.03.06)

    Im dunstigen Licht des Herbstnachmittags lag die Margareteninsel in der Donau und verströmte noch immer den Glanz der Jahrhundertwende. Durch die Allee defilierten die Damen der Gesellschaft als hätten sie die Weltkriege und den Sozialismus verschlafen und seien eben erst neben jenem neureichen Besitzer einer Unterhosenmarke erwacht, der nun wie selbstverständlich an ihrer Seite ging. Zwischen der sorgsam restaurierten Ruine des Klosters, dem geschlossenen Cafe und einem Bad, das noch den Schmutz eines untergegangenen Jahrhunderts in sich trug, hing der Duft von reifen Orangen. Er ging von einigen Bäumen aus, deren Früchte in der schwächer werdenden Sonne leuchteten. Sie schienen wie die hässlichen Schwestern der Apfelsinen, ihre grüne Schale war grobporig und umhüllte eine trockenen ungenießbaren Kern. Aber als ich sie berührte und die Augen schloss, wurde ich von ihrem Geruch eingehüllt und befand mich plötzlich in einem Orangehain mitten in der Glut des Südens.
    Erst als ich mit einem unbedachten Druck die Schale brach und den staubigen Kern freilegte war der Zauber verflogen. Ich kehrte zurück in die Gegenwart der Insel und betrachtete befremdet die falschen Schönheiten Osteuropas, die ihre Markenkleidung und ihre Brustimplantate spazieren trugen wie eine persönlich Auszeichnung und schneller im Kapitalismus angekommen waren, als ein Busschaffner brauchte, um eine Fahrkarte zu entwerten.
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    Matthias Gerhards 22. Mrz, 04:14 | 0 Kommentare - Kommentar verfassen

    Überholen in Deutschland (11.03.06)

    In Deutschland überholt man nur, wenn auf der Gegenfahrbahn kein Auto zu sehen ist. Alles Andre gilt als wahnwitziges Risiko. In Ungarn wird überholt, wenn der Fahrer der Überzeugung ist, zwischen ihm und dem Entgegenkommenden sei genug Platz. Diese Einschätzung ist höchst subjektiv, aber alles über fünfzig Metern wird in der Regel vertretbar betrachtet. Dass man, bevor man die Gegenfahrbahn wieder verlässt, das Weiße im Auge des entgegenkommenden Fahrers sieht, ist als zwischenmenschlicher Kontakt eher willkommen. Schließlich will man wissen, wer gerade überlebt hat. Es hat einige Wochen und mehrere Hupkonzerte gedauert bis ich mein Fahrverhalten wieder den deutschen Verhältnisse angepasst hatte.
    Matthias Gerhards 11. Mrz, 08:25 | 2 Kommentare - Kommentar verfassen

    In der Fremde (03.03.06)

    Am zufriedensten war ich in jenen zwei Jahren, die ich in Ungarn verbrachte. Dort war ich ein Fremder und niemand vermochte zu wissen, dass die Fremdheit in mir selbst lag. Niemals habe ich mich so heimisch gefühlt, wie zu der Zeit, in der ich als Fremder anerkannt war.
    Matthias Gerhards 5. Mrz, 19:36 | 2 Kommentare - Kommentar verfassen

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