Eine kurze Geschichte der Welt in sehr kleinen Teilen. In diesem Blog geht es um Literatur, Politik, Wissenschaft und Technologie, weil es der Autor noch nie anständig entscheiden konnte.

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  • Exposé
  • Die ersten Kapitel

    Erzählungen:


  • Am Geburtstag des Fürsten ...
  • The Way I Found Van Morrison
  • Am Anfang war die Leihbüch...
    Unvollendetes
  • Die sieben Dinge meines Lebens
  • Ligurisches Tagebuch

    Die Erinnerung an eine Strasse (Perinaldo 14.02.2007)

    Gleich neben unserem Haus begann ein Stück des römischen Handelsweges, der von Bordighera nach Apricale führt und vermutlich die ganze Riviera mit dem Zentrum Italiens verband. Als ich ihn betrat, erwartete ich einen Trampelpfad. Aber ich hatte mich getäuscht.

    Das Pflaster aus den Zeiten des Kaisers Augustus war noch gut erhalten. Die Jahrtausende hatten die Steine zwar abgerundet, aber kaum beschädigt. Sie lagen an ihrem Platz und trotzten dem Wald, der über sie hinweg wucherte. Eichen, Eukalyptus und Pinien bildeten ein geschlossenes Dach. Aber selbst ihren Wurzeln gelang es kaum die Steine aus ihrem Fundament zu heben. Es war kein Pfad, sondern eine Strasse. An einigen Stellen konnte ich sogar noch die Randsteine erkennen, die einst den Abschluss gebildet hatten. Die Leitplanken der Antike.
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    Als ich aus dem Wald heraus trat, lagen zu beiden Seiten alte Häuser. Sie waren verlassen. Der ewige Wind hatte die Mauern eingeebnet und die Dächer zum Einsturz gebracht. Sie waren kaum fünfzig Jahre alt und dennoch waren sie bereits vergessen worden. In diesem Augenblick fragte ich mich, was die Dauerhaftigkeit eines Bauwerkes ausmacht? Was unterscheidet dieses Stück gepflasterte Erde von dem Haus eines Bauern? Die Architektur kann es nicht sein.

    Es gibt eigentlich nur einen wirklichen Unterschied: Die Achtung der Nachgeborenen vor ihrer eigenen Vergangenheit. Als ich den Weg betrat, habe ich versucht so vorsichtig wie möglich über das Pflaster zu gehen. Lose Steine habe ich gemieden. Wo es möglich war, bin ich sogar neben dem Weg gegangen. Das mag vielleicht ein wenig übertrieben sein. Aber ich glaube, dass der Weg nur deshalb noch existiert, weil er ein Teil unserer Erinnerung ist.
    Matthias Gerhards 7. Mrz, 20:57 | 0 Kommentare - Kommentar verfassen

    Ländertausch in Perinaldo (13.02.2007)

    Die Nachbarn in unserem ligurischen Dorf sind natürlich Deutsche. Ein Paar aus Frankfurt, die schon seit mehr als zehn Jahren den Winter an der Riviera verbringen. Sie haben Freunde zu Besuch, die ein Haus in der Toskana besitzen und ihre Tochter hat bei Florenz einen Weinbauern geheiratet.

    Lebt eigentlich noch ein Mensch freiwillig in Deutschland? Ich kenne einige Italiener, die dauerhaft im Land der Dichter und Beamten wohnen. Und ich kenne Einige, die eine stille Bewunderung für Deutschland hegen. Das Land in dem alles gelingt.

    Vielleicht sollten wir die Länder tauschen. Aber würden wir unser Land mehr lieben, wenn nur das Wetter besser wäre? Vermutlich nicht. Denn wir suchen in Italien nicht nur Sonnenschein, sondern eine verbesserte Form unseres eigenen Selbst. Wir träumen von der Gelassenheit und von der Großzügigkeit, mit der uns die Italiener begegnen. Aber wir sehen natürlich nur die Projektion unserer eigenen Wünsche. Die Anderen sind immer besser als wir, weil sie die Anderen sind.
    Matthias Gerhards 3. Mrz, 23:15 | 4 Kommentare - Kommentar verfassen

    Schnee in Perinaldo (12.02.2007)

    mimosen_ruine1Die Mimosen sind wie Schnee. Die Blüten bedecken die Hänge und tauchen das Land in einen gelben Winter. Es ist eine helle, kraftvolle Farbe, die uns begleitet, während wir wandern. Sie füllt unsere Tage aus mit der Farbe des Südens.




    .
    Matthias Gerhards 28. Feb, 09:36 | 0 Kommentare - Kommentar verfassen

    Der Himmel über Perinaldo

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    Matthias Gerhards 26. Feb, 22:44 | 0 Kommentare - Kommentar verfassen

    Die nächste Fremdsprache (Perinaldo 10.02.07)

    Von allen Sprachen, die ich nicht beherrsche, fällt mir Italienisch am leichtesten. Nur dort kann ich mich mit einer Verkäuferin über meine (und ihre) Kinder unterhalten ohne nennenswerte Sprachkenntnisse zu benötigen. Nirgendwo radebricht es sich eben so schön wie auf der Apenninhalbinsel. Das liegt natürlich zum nicht geringen Teil an den jahrhundertealten Verbindungslinien zwischen Deutsch, Lateinisch und den romanischen Sprachen.

    Aber ein anderer Faktor ist entscheidender. Italiener nehmen die übers Rad gebrochene Verunglimpfung ihrer Sprache selten übel. Der Fremde kann also jeden grammatikalischen Ballast beiseite lassen und sich seine Worte aus dem allgemeingültigen romanischen Fundus zusammenklauben. Außerdem sind die Bewohner der Halbinsel ebenso höflich wie geschäftstüchtig. Sie lachen erst, wenn der Kunde den Laden verlassen hat.
    Matthias Gerhards 22. Feb, 13:24 | 4 Kommentare - Kommentar verfassen

    Living in Oblivion (Perinaldo 10.02.2007)

    Jedesmal wenn ich an einem fremden Ort bin, habe ich schon nach einem Tag das Gefühl, ich wäre schon seit Wochen hier. Alles scheint nur noch Erinnerung zu sein. Und ich habe nicht das geringste Bedürfnis jemals wieder zurückzukehren. Es ist als wäre ich jener Junge aus dem Märchen, der einige Tag bei einer Fee verbringt und am Ende feststellt, dass es Jahrzehnte waren. Mein altes Leben scheint zu verblassen. Ich gehen ein in diese neue Wirklichkeit, die mich umgibt.
    Matthias Gerhards 21. Feb, 11:26 | 4 Kommentare - Kommentar verfassen

    Ankunft (Perinaldo 09.02.2007)

    Mimosen blühen im Winter.Ein Flugzeug ist etwas Irrationales. Selbst wenn man seine Funktion versteht, bleibt es doch unglaublich, dass man tatsächlich vom Boden abheben kann. Aber selbst wenn man sich in der Luft befindet, behält dieser plötzliche Wechsel zwischen zwei Orten einen Rest von Magie. Es ist, als würde man alle Gesetze unserer Welt außer Kraft setzen.

    Nachdem wir in Nizza gelandet waren, hinterließ der Flug seine Spuren. Wir verfielen in jene Unbeschwertheit, die nur die Angehörigen der regenreichen Länder empfinden können. Wir öffneten unsere Mäntel, um die Wintersonne zu spüren. Wir lächelten. Wir betrachteten minutenlang die Eukalyptusbäume. Wir blickten in den Himmel und sogen Luft durch unsere Nasenlöcher.

    Als wir bei Menton die italienische Grenze passierten, erblickten wir plötzlich die Mimosen. Sie standen in voller Blüte und bedecken die Hänge wie gelbes Puder. Darunter erstreckte sich das Meer. Es leuchtete in einem winterlichen Blau. Fast schien es, als würden sich die Blüten darin spiegeln. In diesem Moment war uns klar, dass wir die glücklichsten Menschen der Welt sein würden. Wenigstens für eine Woche.
    Matthias Gerhards 9. Feb, 08:26 | 3 Kommentare - Kommentar verfassen

    Endlich Italien

    Endlich nach mehr als 8 Monaten im gleichen Land, am gleichen Ort, sogar in der gleichen Wohnung werde ich wieder reisen. Zwar nur für einen Woche und auch nur an einen Ort, den ich schon kenne. Aber immerhin ist es Ligurien. Irgendwo bei Ventimiglia. Der Hanbury Garden wird uns mit den Resten seiner Blütenpracht empfangen. Das Meer wird stürmisch sein, aber schön. Die längst verfallen Villen aus der Gründerzeit werden sich glücklich schätzen, uns begrüßen zu dürfen. Und wir reihen uns ein, in die endlose Kette der Deutschen, die in Italien das Gegenteil ihrer trägen, nördlichen Seele suchen.
    Matthias Gerhards 8. Feb, 18:30 | 3 Kommentare - Kommentar verfassen

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