Der sizilianische Sturm (14)
Das gelbliche Licht über den Wellenkämmen beleuchtete eine Ansammlung von Flecken, die wie Tropfen aus Tusche auf dem Wasser zu schwimmen schienen. Noch bevor auch nur ein Hauch von Gewissheit über die Natur der Dinge herrschen konnte, die sich uns näherten, brach auf dem Schiff ein Sturm aus. Die Seeleute sammelten sich auf dem Mittschiff, reckten die Köpfe in alle Richtungen und riefen durcheinander. Sogar die beiden Rudergänger verließen ihren Posten und schlossen sich der Menge an, die mit ihren Fingern den Horizont absuchte, um die angebliche Kriegsflotte zu entdecken. Führerlos beschrieb das Schiff eine ruckartige Drehung und verlangsamte seine Fahrt. Der prophetische Wachmann, der den Tumult ausgelöst hatte, rief immer wieder. „Kriegsschiffe voraus! Kriegsschiffe voraus!“
Der Kapitän kam aus seiner Kajüte, sah den Tumult, zog seinen Säbel und vollführte einen Streich durch die Luft. Weil er ein kleiner gedrungener Mann war, hätte niemand in der Reichweite seines Hiebes stehen dürfen. Aber die Männer schien seine Entschlossenheit zu beeindrucken. Er schickte die beiden Rudergänger zurück. In jeden Mast setzte er fünf Männer, die seine Navigationskommandos sofort in die Tat umsetzen sollten. Übrig bleib eine handvoll Matrosen, die unschlüssig an Deck herumlungerten. Der Zeugmeister bewegte sich plötzlich schnell wie ein zu dick geratenes Wiesel, zog einen Ring mit zwei Schlüsseln hervor und lief zum Achterdeck. Er öffnete eine große, flache Kiste, die aufrecht neben dem Eingang zu Kapitänskajüte angebracht war. Darin waren Krummschwerter, Lanzen und kleine Streitäxte. Alles schien etwas zu klein geraten. Die Klingen der Krummschwerter waren kurz wie die Waffen von Kindern. Auch die Lanzen schienen für die Bewaffnung eines maritimen Zwergenvolkes gedacht. Sie hatten eine kurze Lederschlaufe, um sie beim Abwurf zusätzlich zu beschleunigen. Auf einem Schiff ist wenig Platz zu Ausholen. Gerade als die Waffen ausgegeben waren, sahen wir die gegnerischen Flotte. Es waren tatsächlich Kriegsschiffe.
„Byzantiner, Byzantiner! Es sind Christen“ schrie die Wache nun erleichtert, „ich sehe den Doppeladler. Gott sei gepriesen!“
Auf dem Hauptmast der flachen Schiffe, die sich scheinbar langsam auf uns zu bewegten, wehte eine dreieckige Flagge mit einem doppelköpfigen Vogel. Das angespannte Raunen erstarb. Der Zeugmeister atmete aus und sein Bauch war plötzlich nur noch halb so groß. Alle warteten darauf, dass die Angreifer ihre Formation auflösen würden. Aber die generische Flotte, hielt mit unverminderter Geschwindigkeit auf uns zu. Es schien, als würden alle Dinge den Atem anhalten. Die Anspannung kehrte zurück. Die Mannschaft schwieg jetzt und wartete. Alle blicken dem fremden Verband entgegen. Es waren mehr als zehn byzantinische Kampfschiffe. Sie segelten direkt mit dem Wind und beschleunigten ihre Fahrt zusätzlich durch eine Rudermannschaft.
„Es sind Piraten. Byzantinische Piraten. Jeder kehrt auf seinem Posten zurück!“ schrie der Kapitän in die Stille hinein. Plötzlich begannen sich alle wieder zu bewegen, wie Figuren eines Schattentheaters, die zu lange in einer künstlicher Agonie verharrt hatten. Der Kapitän stellte sich an den Bug und fuchtelte mit den Armen in der Luft herum. Dazu stieß er wilde Schreie aus, deren Worte ich nicht zu verstehen vermochte. Nachdem er sich auf diese Weise mit dem Schiff des Königs verständigt hatte, ließ er beidrehen. Wir änderten die Richtung. Aber durch dieses unendlich langsame Manöver kamen die Byzantiner immer näher, bis sie kaum tausend Fuß entfernt waren. Wir konnten schon die Bogenschützen erkennen, die am Bug Aufstellung genommen hatten. Erst als das Manöver beendet war, nahmen wir wieder Fahrt auf. Für einen Augenblick schien es, als fielen die Anderen nun zurück. Der Kapitän ließ alle Segel setzen, über die das Schiff verfügte. Es legte sich auf die windabgewandte Seite, wie ein alter, hölzerner Mann, den die Jahre gebeugt hatten. Die Schlagseite war so stark, dass sich die Reling fast bis in die Täler der Wellen hinein neigte und beständig ein Schwall des grauen Wassers hinein schwappte. Es schoss als weißer Schaum über die Planken und umspülte die Füße der Seeleute. Sarazin und ich hielten uns verzweifelt an unserem Kettenring fest, denn plötzlich stieg eine Welle auf, die größer und größer wurde, bis sie schließlich über dem Flaggenstock zusammenschlug. Sie traf uns mit voller Wucht. Als das Meer über uns hinweg strömte, sah ich eine seltsame Art von Erstaunen in Sarazins Augen. Er hatte Angst, verlor den Halt und wurde von der zurückströmenden Flut mitgerissen, als sei er ein lebloses Stück Treibgut, ein ausgebleichtes Holz, das der Macht der Elemente nicht einmal sein Gewicht entgegen zu setzen hatte. Es gelang mir, ihn am Fußgelenk zu fassen und ich schlang meine Arme um seine Knöchel. Dann zog ich ihn zurück, bevor ihn die Welle mit sich nehmen konnte und nur die Kette seinen Weg auf den Meeresgrund aufgehalten hätte. Nach einiger Zeit gelang es uns, den Rhythmus des Wassers zu verstehen und wir duckten uns unter den Wellenkämmen hindurch, die über die Bugreeling schossen wie hungrige Wölfe. Manchmal gelang es, manchmal nicht. Dann warf uns die Gewalt des Wassers fast zu Boden und wir hatten Mühe uns an unserem Kettenring zu halten.
Mitten in diesem ganz gewöhnlichen Inferno, in diesem fast alltäglichen Chaos des Meeres, öffnete sich plötzlich eine Türe am Achterdeck und blieb eine Zeit lang unverschlossen stehen, ohne dass jemand heraus getreten wäre. Mit dieser seltsamen Pause, die sie vielleicht sogar selbst für ihren Auftritt gewählt hatte, betrat die Königin von Frankreich das Deck.
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Der Kapitän kam aus seiner Kajüte, sah den Tumult, zog seinen Säbel und vollführte einen Streich durch die Luft. Weil er ein kleiner gedrungener Mann war, hätte niemand in der Reichweite seines Hiebes stehen dürfen. Aber die Männer schien seine Entschlossenheit zu beeindrucken. Er schickte die beiden Rudergänger zurück. In jeden Mast setzte er fünf Männer, die seine Navigationskommandos sofort in die Tat umsetzen sollten. Übrig bleib eine handvoll Matrosen, die unschlüssig an Deck herumlungerten. Der Zeugmeister bewegte sich plötzlich schnell wie ein zu dick geratenes Wiesel, zog einen Ring mit zwei Schlüsseln hervor und lief zum Achterdeck. Er öffnete eine große, flache Kiste, die aufrecht neben dem Eingang zu Kapitänskajüte angebracht war. Darin waren Krummschwerter, Lanzen und kleine Streitäxte. Alles schien etwas zu klein geraten. Die Klingen der Krummschwerter waren kurz wie die Waffen von Kindern. Auch die Lanzen schienen für die Bewaffnung eines maritimen Zwergenvolkes gedacht. Sie hatten eine kurze Lederschlaufe, um sie beim Abwurf zusätzlich zu beschleunigen. Auf einem Schiff ist wenig Platz zu Ausholen. Gerade als die Waffen ausgegeben waren, sahen wir die gegnerischen Flotte. Es waren tatsächlich Kriegsschiffe.
„Byzantiner, Byzantiner! Es sind Christen“ schrie die Wache nun erleichtert, „ich sehe den Doppeladler. Gott sei gepriesen!“
Auf dem Hauptmast der flachen Schiffe, die sich scheinbar langsam auf uns zu bewegten, wehte eine dreieckige Flagge mit einem doppelköpfigen Vogel. Das angespannte Raunen erstarb. Der Zeugmeister atmete aus und sein Bauch war plötzlich nur noch halb so groß. Alle warteten darauf, dass die Angreifer ihre Formation auflösen würden. Aber die generische Flotte, hielt mit unverminderter Geschwindigkeit auf uns zu. Es schien, als würden alle Dinge den Atem anhalten. Die Anspannung kehrte zurück. Die Mannschaft schwieg jetzt und wartete. Alle blicken dem fremden Verband entgegen. Es waren mehr als zehn byzantinische Kampfschiffe. Sie segelten direkt mit dem Wind und beschleunigten ihre Fahrt zusätzlich durch eine Rudermannschaft.
„Es sind Piraten. Byzantinische Piraten. Jeder kehrt auf seinem Posten zurück!“ schrie der Kapitän in die Stille hinein. Plötzlich begannen sich alle wieder zu bewegen, wie Figuren eines Schattentheaters, die zu lange in einer künstlicher Agonie verharrt hatten. Der Kapitän stellte sich an den Bug und fuchtelte mit den Armen in der Luft herum. Dazu stieß er wilde Schreie aus, deren Worte ich nicht zu verstehen vermochte. Nachdem er sich auf diese Weise mit dem Schiff des Königs verständigt hatte, ließ er beidrehen. Wir änderten die Richtung. Aber durch dieses unendlich langsame Manöver kamen die Byzantiner immer näher, bis sie kaum tausend Fuß entfernt waren. Wir konnten schon die Bogenschützen erkennen, die am Bug Aufstellung genommen hatten. Erst als das Manöver beendet war, nahmen wir wieder Fahrt auf. Für einen Augenblick schien es, als fielen die Anderen nun zurück. Der Kapitän ließ alle Segel setzen, über die das Schiff verfügte. Es legte sich auf die windabgewandte Seite, wie ein alter, hölzerner Mann, den die Jahre gebeugt hatten. Die Schlagseite war so stark, dass sich die Reling fast bis in die Täler der Wellen hinein neigte und beständig ein Schwall des grauen Wassers hinein schwappte. Es schoss als weißer Schaum über die Planken und umspülte die Füße der Seeleute. Sarazin und ich hielten uns verzweifelt an unserem Kettenring fest, denn plötzlich stieg eine Welle auf, die größer und größer wurde, bis sie schließlich über dem Flaggenstock zusammenschlug. Sie traf uns mit voller Wucht. Als das Meer über uns hinweg strömte, sah ich eine seltsame Art von Erstaunen in Sarazins Augen. Er hatte Angst, verlor den Halt und wurde von der zurückströmenden Flut mitgerissen, als sei er ein lebloses Stück Treibgut, ein ausgebleichtes Holz, das der Macht der Elemente nicht einmal sein Gewicht entgegen zu setzen hatte. Es gelang mir, ihn am Fußgelenk zu fassen und ich schlang meine Arme um seine Knöchel. Dann zog ich ihn zurück, bevor ihn die Welle mit sich nehmen konnte und nur die Kette seinen Weg auf den Meeresgrund aufgehalten hätte. Nach einiger Zeit gelang es uns, den Rhythmus des Wassers zu verstehen und wir duckten uns unter den Wellenkämmen hindurch, die über die Bugreeling schossen wie hungrige Wölfe. Manchmal gelang es, manchmal nicht. Dann warf uns die Gewalt des Wassers fast zu Boden und wir hatten Mühe uns an unserem Kettenring zu halten.
Mitten in diesem ganz gewöhnlichen Inferno, in diesem fast alltäglichen Chaos des Meeres, öffnete sich plötzlich eine Türe am Achterdeck und blieb eine Zeit lang unverschlossen stehen, ohne dass jemand heraus getreten wäre. Mit dieser seltsamen Pause, die sie vielleicht sogar selbst für ihren Auftritt gewählt hatte, betrat die Königin von Frankreich das Deck.
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