Der sizilianische Sturm (13)
Die Kraft des Windes wuchs von Tag zu Tag. Er schien einem bösen Willen zu gehorchen, dessen Zorn sich gegen jeden richtete, der unter dem Banner des Königs von Frankreich segelte. Bald verbreiteten sich die ersten Gerüchte. Die abergläubischen Seeleute spekulierten über das bevorstehende Ende des Herrschers. Er habe die Gabe des Handauflegens verloren, die allen französischen Monarchen zu Eigen gewesen sei. Gott habe ihm seinen Segen entzogen und dieser Sturm sein das untrüglich Zeichen seines Unglücks. Der Zeugmeister erklärte uns in der Nacht, dass wir einem Fluch unterlägen und niemals lebend in Italien ankommen würden und deshalb Kurs auf Sizilien hielten, das westlich davon lag. Außerdem könnten wir nicht länger gegen den Wind kreuzen, da die Vorräte zur Neige gingen. Aber Sizilien, so fügte er geheimnisvoll hinzu, sei ein Land in dem Zauberei und Unzucht herrschten und dessen Reichtum so groß sei, dass es dort einen verborgenen Schatz geben müsse oder wenigstens das Wissen darum. Wie allerdings das bloße Wissen um einen Schatz zu echtem Reichtum führte, verriet er uns nicht. Sarazin zuckte mit den Schultern und sagte leichthin:
„Mir ist egal, wo die Küche steht, in der ich arbeite.“
Inzwischen gelang es mir fast automatisch, seine Worte in französische Brocken zu transponieren, die ich irgendwo auf dem Schiff aufgeschnappt hatte. Immer wenn mir ein Begriff fehlte, benutzte ich entweder den lateinischen Ausdruck oder wählte meine libonesische Muttersprache. Manchmal versuchte ich es auch mit Arabisch. Aber bald stellte ich fest, dass ich damit nicht weit kam, denn der Zeugmeister konnte gerade genug davon, um in Tripolis eine Hure zu finden. Das ginge auch mit den Händen, steuerte Sarazin bei. Abgesehen davon verstand unser seltsamer Freund mein selbst gebasteltes Französisch gut und tat so, als sei dies die normalste Sprache der Welt.
„Er kann froh sein, wenn er überhaupt in einer Küche arbeiten darf“ sagte er zu mir. “Vielleicht schicken Sie ihn aber auch in den Steinbruch oder zum Rudern.“
Er zeigt mit dem Daumen auf die kleineren Begleitschiffe unserer Flotte, die zusätzlich zur Segelbespannung durch eine Rudermannschaft angetrieben wurden.
„Unwahrscheinlich“ erwiderte Sarazin mit einer gewissen Überheblichkeit.
„Der Emir hat dem fränkischen König während der Belagerung einen mit Feigen und Rosmarin gefüllten Fasan zugesandt. Der Franke hat ihm darauf hin durch einen Boten seine Glückwünsche für die exzellente Küche zurückschicken lassen. Außerdem eine Lammkeule und ein goldenes Tablett.“
„Warum macht er so was?“
„Um zu zeigen wie gut die Stadt versorgt ist, natürlich. Trotz Belagerung.“ erwiderte Sarazin.
„Und hat es ihm geschmeckt?“
„Er hat nicht einmal davon gekostet. Sie war bereits kalt und aufgewärmtes Lamm kann man nicht mehr essen. Außerdem mag er nichts Gebratenes. Aber die Platte wurde als Serviergeschirr benutzt. Nachdem die Franken den Kampf aufgegeben hatten, schickte er mich mitsamt meinem Kochgeschirr an den König. Als Ausgleich für die Platte.“
Nachdem ich übersetzt hatte, musste der Zeugmeister lachen.
„Dein gebratenes Huhn hat dich ins Verderben gestürzt.“
„Es war ein geschmorter Fasan“ erwiderte Sarazin etwas beleidigt, „die Haut wurde vorher entfernt und für die Soße verwendet. Außerdem war es nicht einmal meiner. Der Emir hat fünf Leibköche. Ich war der jüngste, deshalb musste ich gehen. Aber ich hätte es genauso gut machen können. Wenn ein Gericht, das er kennt, nicht exakt so ist, wie beim vorangegangenen Mal kann er wütend werden. Der Küchenchef bestraft den Koch mit Stockschlägen oder der Emir ruft ihn hinaus und erledigt es selbst. Aber er schlägt nicht so hart zu.“
Inzwischen hatte ich mich von meinem Fieber erholt. In dieser Nacht schliefen wird ruhig und fest. Der Sternenhimmel lag wie eine kühle Glocke auf dem Meer und wachte über unseren Schlaf.
Am nächsten Morgen weckten uns die Schreie der Wache. Sie deutete in die aufgehende Sonne.
„Eine Flotte, eine Flotte! Kriegsschiffe voraus!“
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„Mir ist egal, wo die Küche steht, in der ich arbeite.“
Inzwischen gelang es mir fast automatisch, seine Worte in französische Brocken zu transponieren, die ich irgendwo auf dem Schiff aufgeschnappt hatte. Immer wenn mir ein Begriff fehlte, benutzte ich entweder den lateinischen Ausdruck oder wählte meine libonesische Muttersprache. Manchmal versuchte ich es auch mit Arabisch. Aber bald stellte ich fest, dass ich damit nicht weit kam, denn der Zeugmeister konnte gerade genug davon, um in Tripolis eine Hure zu finden. Das ginge auch mit den Händen, steuerte Sarazin bei. Abgesehen davon verstand unser seltsamer Freund mein selbst gebasteltes Französisch gut und tat so, als sei dies die normalste Sprache der Welt.
„Er kann froh sein, wenn er überhaupt in einer Küche arbeiten darf“ sagte er zu mir. “Vielleicht schicken Sie ihn aber auch in den Steinbruch oder zum Rudern.“
Er zeigt mit dem Daumen auf die kleineren Begleitschiffe unserer Flotte, die zusätzlich zur Segelbespannung durch eine Rudermannschaft angetrieben wurden.
„Unwahrscheinlich“ erwiderte Sarazin mit einer gewissen Überheblichkeit.
„Der Emir hat dem fränkischen König während der Belagerung einen mit Feigen und Rosmarin gefüllten Fasan zugesandt. Der Franke hat ihm darauf hin durch einen Boten seine Glückwünsche für die exzellente Küche zurückschicken lassen. Außerdem eine Lammkeule und ein goldenes Tablett.“
„Warum macht er so was?“
„Um zu zeigen wie gut die Stadt versorgt ist, natürlich. Trotz Belagerung.“ erwiderte Sarazin.
„Und hat es ihm geschmeckt?“
„Er hat nicht einmal davon gekostet. Sie war bereits kalt und aufgewärmtes Lamm kann man nicht mehr essen. Außerdem mag er nichts Gebratenes. Aber die Platte wurde als Serviergeschirr benutzt. Nachdem die Franken den Kampf aufgegeben hatten, schickte er mich mitsamt meinem Kochgeschirr an den König. Als Ausgleich für die Platte.“
Nachdem ich übersetzt hatte, musste der Zeugmeister lachen.
„Dein gebratenes Huhn hat dich ins Verderben gestürzt.“
„Es war ein geschmorter Fasan“ erwiderte Sarazin etwas beleidigt, „die Haut wurde vorher entfernt und für die Soße verwendet. Außerdem war es nicht einmal meiner. Der Emir hat fünf Leibköche. Ich war der jüngste, deshalb musste ich gehen. Aber ich hätte es genauso gut machen können. Wenn ein Gericht, das er kennt, nicht exakt so ist, wie beim vorangegangenen Mal kann er wütend werden. Der Küchenchef bestraft den Koch mit Stockschlägen oder der Emir ruft ihn hinaus und erledigt es selbst. Aber er schlägt nicht so hart zu.“
Inzwischen hatte ich mich von meinem Fieber erholt. In dieser Nacht schliefen wird ruhig und fest. Der Sternenhimmel lag wie eine kühle Glocke auf dem Meer und wachte über unseren Schlaf.
Am nächsten Morgen weckten uns die Schreie der Wache. Sie deutete in die aufgehende Sonne.
„Eine Flotte, eine Flotte! Kriegsschiffe voraus!“
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