Der sizilianische Sturm (11)
„Das macht es den Läusen schwerer.“, hatte er mich grinsend zu trösten versucht. Ich war stolz auf meine wenigen, dunklen Haare gewesen und schämte mich nun, die Gesetze unseres Volkes zu missachten. Diese Scham verwunderte mich selbst, denn als ich noch unter der Obhut meines rabbinischen Vaters stand, waren mir alle jüdischen Gesetzte so gleichgültig wie Schatten bei Neumond. Aber ich hatte nicht lange Zeit, meinen Gefühlen nachzuhängen, denn überall wo mich die Sonne beschien, verwandelte ich mich bald in ein Krustentier, das gerade mit kochendem Wasser übergossen wurde. Sarazins Haut dagegen war von einer glänzenden, bräunlichen Schwärze und leuchtete in der Sonne wie eine gebackene Olive. Er saß neben mir, als das Fieber begann und opferte einen Teil seines Wassers, um meine Verbrennungen zu kühlen. Ich träumte von Ungeheuern aus schwarzem Licht, die zwischen den Sternen lebten und in wilden Bewegungen durch die Weiten des nächtlichen Himmels zogen. Später berichtete mein Kettenachbar mir, dass ich mit rollenden, fiebrigen Augen zu den Sternen aufgeschaut hatte. Als der nächste Tag anbrach, zog er sein Hemd aus und bedeckte meine verbrannten Stellen, damit die Sonne sie nicht weiter angreifen konnte. Aber an diesem Morgen prüfte der Zeugmeister die Takelage auf dem Vorderschiff. Als er uns sah, schlug er Sarazin mit einem Seilende auf den Kopf und blickte ihn vorwurfsvoll an wie eine erzürnte Mutter. Dann schlug noch einmal zu und macht ein Gesicht als wolle er sich entschuldigen.
„Zieh dich an! Die Königin will keinen nackten Mooren sehen.“
Er schielte hinüber zum Achterdeck. Aber bis zu diesem Zeitpunk hatten weder er noch wir, die Königin zu Gesicht bekommen. Der Zeugmeister sprach einen seltsamen französischen Dialekt. Es klang ähnlich wie das romanische Kauderwelsch, das ich in den Strassen Lissabons gelernt hatte. Es wurde aber durch die Nase ausgesprochen und schien gemischt mit Brocken von ausgespucktem Latein. Trotz meines Fiebers begriff ich das meiste, was er sagte. Sarazin genügte der Schmerz um zu verstehen. Er hatte zuvor dem Herrscher vom Damaskus gehört und war der Sohn einer Dynastie von Küchensklaven. Noch bevor unser Besucher zu einem zweiten Schlag ausholen konnte, hatte er sein Hemd wieder angezogen. Schnaubend verließ der Franzose das Deck und kehrte bald darauf mit dem Schiffszimmermann zurück.
Er schien nicht viel älter als wir, war aber schon ein schlanker, muskulöser Mann mit erstaunlich großen Händen, die er wie Schaufeln hielt. Mit zwei Fingern umfasste er eine Zange und einen Hammer und blickte düster zu uns herüber. Nachdem der Zeugmeister das Deck verlassen hatte, kam er auf uns zu und grummelte wie ein wütender alter Mann.
„Kompletter Unsinn. Was denkt sich der verrückte Fettsack?“
Kriechend flüchtete ich bis ans Ende meiner Kette. Der Zimmermann lachte heiser, als er meine Bemühungen sah. Aber es klang eher wie ein Husten. Sarazin jedoch blieb unbeweglich an Deck sitzen und sah in den Himmel, als sei nichts. Als mein Peiniger mich erreichte hatte, verharrte er einen Augenblick und schritt dann über mich hinweg. Er ging zu der großen Holzkiste, in der die Ersatztakelage aufbewahrt wurde. Sie stand zwei Meter weiter vorne am Bug und lag jenseits unserer Reichweite. Sorgfältig holte er zuerst die leichten und anschließend die schweren Seile heraus. Als er den Verschlag geleert hatte, kniete er sich hinein, zog die großen Nägel heraus und legte sie sorgfältig in seine Zimmermannstasche. Dann schob er das schwere Pinienholz in unsere Richtung, bis die Kiste direkt neben uns stand. Wir mussten ausweichen, denn der Zimmermann tat, als seien wir nicht vorhanden. Als der Holzkasten seinen scheinbar perfekten Standort gefunden hatte, holte er die Nägel hervor und schlug sie wieder in die Deckplanken. Als er fertig war, betrachtete sein Werk und schnalzte mit der Zunge. Dann raffte er die Stricke zusammen und warf sie achtlos neben unseren Kasten.
„Den Rest dürft ihr Bastarde selbst machen. Aber die kleinen Schoten müssen oben liegen. Damit werden die Wanten repariert. Wenn der Zeugmeister sie suchen muss, wird er wütend.“
Dann spuckte er zufrieden vor uns aus und ging mit leicht gebeugtem Rücken zurück unter Deck. Im Fieber arbeitete mein Kopf langsam und ich brauchte einige Zeit, um zu verstehen. Aber dann sah ich den Schatten, den der hölzerne Quader warf und kroch hinein. Die Kiste stand einen Meter von der Reling entfernt und war so hoch, dass sie während des gesamten Tages einen geradezu komfortablen Schutz vor der Sonne bot. Dann klärte ich Sarazin auf. Er nickte nur und räumte die Seile zurück, weil er wusste, dass ich zu schwach war. Als er fertig war, hockte er sich neben mich und wischte den Speichel des Schiffszimmermanns von den Planken. Sein Gesicht verzog sich vor Ekel, als er anschließend den beschmutzten Saum seines Hemdes betrachtete.
„Du bist klug“ sagte er, während sein rechtes Auge blinzelte. „Aber nicht sehr mutig.“
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„Zieh dich an! Die Königin will keinen nackten Mooren sehen.“
Er schielte hinüber zum Achterdeck. Aber bis zu diesem Zeitpunk hatten weder er noch wir, die Königin zu Gesicht bekommen. Der Zeugmeister sprach einen seltsamen französischen Dialekt. Es klang ähnlich wie das romanische Kauderwelsch, das ich in den Strassen Lissabons gelernt hatte. Es wurde aber durch die Nase ausgesprochen und schien gemischt mit Brocken von ausgespucktem Latein. Trotz meines Fiebers begriff ich das meiste, was er sagte. Sarazin genügte der Schmerz um zu verstehen. Er hatte zuvor dem Herrscher vom Damaskus gehört und war der Sohn einer Dynastie von Küchensklaven. Noch bevor unser Besucher zu einem zweiten Schlag ausholen konnte, hatte er sein Hemd wieder angezogen. Schnaubend verließ der Franzose das Deck und kehrte bald darauf mit dem Schiffszimmermann zurück.
Er schien nicht viel älter als wir, war aber schon ein schlanker, muskulöser Mann mit erstaunlich großen Händen, die er wie Schaufeln hielt. Mit zwei Fingern umfasste er eine Zange und einen Hammer und blickte düster zu uns herüber. Nachdem der Zeugmeister das Deck verlassen hatte, kam er auf uns zu und grummelte wie ein wütender alter Mann.
„Kompletter Unsinn. Was denkt sich der verrückte Fettsack?“
Kriechend flüchtete ich bis ans Ende meiner Kette. Der Zimmermann lachte heiser, als er meine Bemühungen sah. Aber es klang eher wie ein Husten. Sarazin jedoch blieb unbeweglich an Deck sitzen und sah in den Himmel, als sei nichts. Als mein Peiniger mich erreichte hatte, verharrte er einen Augenblick und schritt dann über mich hinweg. Er ging zu der großen Holzkiste, in der die Ersatztakelage aufbewahrt wurde. Sie stand zwei Meter weiter vorne am Bug und lag jenseits unserer Reichweite. Sorgfältig holte er zuerst die leichten und anschließend die schweren Seile heraus. Als er den Verschlag geleert hatte, kniete er sich hinein, zog die großen Nägel heraus und legte sie sorgfältig in seine Zimmermannstasche. Dann schob er das schwere Pinienholz in unsere Richtung, bis die Kiste direkt neben uns stand. Wir mussten ausweichen, denn der Zimmermann tat, als seien wir nicht vorhanden. Als der Holzkasten seinen scheinbar perfekten Standort gefunden hatte, holte er die Nägel hervor und schlug sie wieder in die Deckplanken. Als er fertig war, betrachtete sein Werk und schnalzte mit der Zunge. Dann raffte er die Stricke zusammen und warf sie achtlos neben unseren Kasten.
„Den Rest dürft ihr Bastarde selbst machen. Aber die kleinen Schoten müssen oben liegen. Damit werden die Wanten repariert. Wenn der Zeugmeister sie suchen muss, wird er wütend.“
Dann spuckte er zufrieden vor uns aus und ging mit leicht gebeugtem Rücken zurück unter Deck. Im Fieber arbeitete mein Kopf langsam und ich brauchte einige Zeit, um zu verstehen. Aber dann sah ich den Schatten, den der hölzerne Quader warf und kroch hinein. Die Kiste stand einen Meter von der Reling entfernt und war so hoch, dass sie während des gesamten Tages einen geradezu komfortablen Schutz vor der Sonne bot. Dann klärte ich Sarazin auf. Er nickte nur und räumte die Seile zurück, weil er wusste, dass ich zu schwach war. Als er fertig war, hockte er sich neben mich und wischte den Speichel des Schiffszimmermanns von den Planken. Sein Gesicht verzog sich vor Ekel, als er anschließend den beschmutzten Saum seines Hemdes betrachtete.
„Du bist klug“ sagte er, während sein rechtes Auge blinzelte. „Aber nicht sehr mutig.“
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