Eine kurze Geschichte der Welt in sehr kleinen Teilen. In diesem Blog geht es um Literatur, Politik, Wissenschaft und Technologie, weil es der Autor noch nie anständig entscheiden konnte.

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  • Exposé
  • Die ersten Kapitel

    Erzählungen:


  • Am Geburtstag des Fürsten ...
  • The Way I Found Van Morrison
  • Am Anfang war die Leihbüch...
    Unvollendetes
  • Die sieben Dinge meines Lebens
  • Die Entdeckung des Achaar, Aus: Die sieben Dinge meines Lebens

    Das erste Glas stammte aus Südafrika. Es war in Devanagari (eine indische Schrift) beschriftet und ich hatte nicht die geringste Ahnung was sich darin befand. Lediglich auf dem Deckel erkannte ich einige lateinischen Buchstaben. Sie bildeten ein Wort, dessen Aussprache alleine geeignet schien, meinen Geist von allen Fesseln zu befreien: Achaar. Nur die ölverschmierte Abbildung einer Mango ließ den Schluss zu, dass es sich um ein Nahrungsmittel handeln könnte. Doch das trifft nicht den Kern der Sache. Achaar ist ein Angriff auf die menschliche Seele und die einzige wirklich bewusstseinserweiternde Droge, die ich jemals zu mir genommen habe. Es ist ein symbolistisches Kunstwerk. Ein Gedicht von Rimbaud. Seine Zutaten vereinen sich auf der Zunge zu einem einzigen, neuartigen Aroma, das alle Sinne in Anspruch nimmt, um dann zu explodieren. Die wichtigsten Bestandteile sind Senföl, grüne Mango, Koriander und eine so gewaltige Menge roter Chilischoten, dass man alle weltlichen Dinge hinter sich lässt, nachdem man den ersten Löffel gekostet hat.

    achaar31Meine erste Berührung mit dieser geheimnisvollen Substanz veränderte mein Leben. Ich befand mich in den höchsten Nöten meiner Pubertät. Damals tauchte der erste Zivildienstleistende in unserem Dorf auf. Er arbeitete für die evangelische Kirchengemeinde, hatte einen Zopf und einen Ziegenbart, der damals noch alles andere als cool war. Er hörte Reggae und trug T-Shirts mit grünen, gelben und roten Streifen. Die Meisten hielten ihn für verrückt. Daher verbrachte ich den größten Teil meiner Zeit mit ihm. Er hatte einen Freund, der aus Südafrika stammte und gelegentlich zu Besuch kam.

    Daniel war der erste Schwarze, den ich in meinem Leben kennen lernte. Es war ein seltsames Gefühl, als ich ihm zum ersten Mal die Hand gab. Die Farbe seiner Haut schimmerte wie eine Aubergine und ließ ihn sehr fremd und sehr geheimnisvoll erscheinen. Er war Bankangestellter und lebte in Paderborn. Außerdem sprach er fünf Sprachen. Heute sitzt er im Vorstand einer südafrikanischen Bank.

    Damals erhielt er alle paar Wochen ein Paket von seiner Mutter, die ihn anscheinend mit allem versorgte, was er bei uns vermisste. Darunter war immer mindestens ein warmes Kleidungsstück, denn Deutschland war bekanntermaßen ein Land mit absurd niedrigen Temperaturen. Darüber hinaus fand sich in jedem Paket ein Glas Mango Achaar und ein Glas Limonen Achaar. Eingepackt in eine evangelische Kirchenzeitung. Anfangs weigerte er sich, uns davon kosten zu lassen.
    "Für Europäer ungeeignet." sagte er und aß löffelweise davon.

    [Fortsetzung folgt]

    Einleitung: Die Magie des Unbekannten
    Matthias Gerhards 30. Apr, 06:49 | 5 Kommentare - Kommentar verfassen
    rosenherz - 1. Jul, 16:09

    Tss, ich bin überrascht!

    Das ist ja ein Ding, dass ich das hier lese. Wussten sie, dass Chilli glücklich machen?
    Wirklich, das ist kein Scherz. Ich habe vor einiger Zeit angefangen asiatisch zu kochen und bin dabei auf Chilli gekommen. An mir selbst beobachtete ich ein überaus hohes Wohlgefühl nach Speisen, die ich mit Chilli, Pfeffer oder einer asiatischen Mischung gewürzt hatte. Chilli und Co. regen im Körper die Produktion von Serotonin an. Es ist als sogenanntes Glückshormon bekannt und unlängst habe ich eine Dokumentation über die Wirkung von Chilli und Co. im Fernsehen gesehen. Der Genuss der genannten Gewürze macht tatsächlich glücklich.

    Ich kann mir das schon vorstellen, dass sich bei reichlichem Genuss von Chilli eine bewusstseinserweiternde Wirkung einstellt. Allerdings bin ich beim Kochen eher sparsam mit Chilli, schließlich will ich außer scharf auch noch andere Geschmackskomponenten wahrnehmen.
    antworten

    Matthias Gerhards - 1. Jul, 23:27

    Chilli macht wirklich glücklich.

    Immer dann, wenn der Schmerz nachläßt. Bewußtseinserweiternd ist es auch: Man lernt einen andere Kultur kennen. Aber von den positiven Auswirkungen auf den Stoffwechsel habe ich auch schon gehört. Ich fühle mich immer leicht, wenn ich scharf esse. Aber ein Aspekt bei sehr scharfen Gerichten ist immer auch die Überwindung des Schmerzes. Kürzlich habe ich gehört, dass es Menschen gibt, die sich um des Schmerzen willen tätowieren lassen. Scharfe Gerichte können eine ähnliche Wirkung entfalten.
    rosenherz - 2. Jul, 11:51

    Glücklich durch Schärfe und Horizonterweiterung.

    Scharf macht glücklich, ob es nun eine scharfes Gericht oder eine scharfe Frau ist - letzteres ist ein anderes Thema, das ich im Augenblick nicht weiter auszuführen gedenke.
    Lust und Schmerz liegen eng beieinander, vielleicht ist es eine Art Ekstase Schmerzenslust, mit dem sich Leute tätowieren lassen. Mir ist Chilli im Essen lieber. Und Liebeslust.

    Achaar erweiteterte bereits meinen Horizont, ohne einen Löffel voll davon gegessen zu haben. Ohne Ihre Erzählung hätte ich nicht einmal einen blassen Schimmer davon gehabt, was das ist, das Ahjunds Frau im Gewürzladen in die Hand nahm und wieder zurückstellte, weil sie es sich nicht zu kaufen getraute. Ein Glas Mango-Achaar.
    Ich habe gestern den Roman "Die Hüterin der Gewürze" zu lesen begonnen. Auf den ersten Seiten kommt die beschriebene Szene mit dem Glas Mango-Achaar vor.

    Dank sei den sieben Dingen Ihres Lebens! Jawohl.
    Matthias Gerhards - 2. Jul, 17:52

    Indische Literatur?

    Was ist das für ein Roman? Ein Indischer?

    Ich habe immer ein bisschen das Problem, dass ich zu viele Dinge auf einmal anfange. Die "Sieben Dinge meines Lebens" waren als eine Zwischenübung geplant, als ich noch dachte, dass mein Romanprojekt nun fertig sei. Aber jetzt werde ich bis August an der Überarbeitung des Romans arbeiten. Eigentlich wollte ich danach einen neuen Roman anfangen. Aber vielleicht werde ich mich den sieben Dingen meines Lebens nochmal widmen. Das Schreiben jedenfalls hat Spaß gemacht, weil ich nichts erfinden musste. Nur ein bisschen übertreiben.
    rosenherz - 2. Jul, 19:09

    Kanadische oder indische Literatur?

    Nun, die Autorin stammt ursprünglich aus Indien und lebt jetzt in Amerika. Im Roman betreibt die Hüterin der Gewürze einen winzigen Laden in einer (wenn ich mich nicht irre) kanadischen Stadt. Die Erzählung ist stark mit sinnlichen Eindrücken verwoben, dazu gibt es eine Menge an Hintergrundwissen über die Wirkung von Gewürzen. Köstlich.

    Ich persönlich kann mir die sieben Dinge Deines Lebens sehr gut als Buch vorstellen. Ob daraus ein im Buchhandel erfolgreiches wird, darüber kann ich nichts sagen. Zu meinen persönlichen Bestsellern gehört er auf jeden Fall schon, der Text von den sieben Dinge Deines Lebens.

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