Ich bin ein treuer Mensch. Das gilt auch für meine Heimat, in der ich schon fast seit 30 Jahren lebe. Deshalb wird im Urlaub immer erst ein paar Tage lang gefremdelt. Trotzdem verstehe ich Dich gut: spätenstens am Rückreisetag erscheint mir die neue Realität realer und das neue Leben an diesem Ort viel lebenswerter, als im zurückgelassenen Zuhause. Ich habe sogar das Gefühl, selbst ein anderer Mensch zu werden. Doch vielleicht ist es auch nur der Ausnahmezustand des Urlaubs, fern ab von Pflichten und Routine, der meiner Wahrnehmung regelmässig diesen Streich spielt?
Vielleicht übertreibe ich auch ein bisschen. Aber ich fremdel dann wieder, wenn ich Zuhause bin. Es gibt so ein Gefühl von Leere nach der Ankunft. Weil ich weiß, dass nun der Alltag auf mich wartet. Ich hab fast alles vergessen. Was vor dem Urlaub wichtig war. Etwas anders ist das, wenn man zurück zu einer geliebten Person kommt. Aber in diesem Fall war meine geliebte Person mit mir unterwegs.
Fremdeln